Dies ist eine Technik aus dem Kopf frei-Seminar

Resilienz - der "Knautscheball-Effekt"

Wie wir unsere Widerstandfähigkeit erhöhen

Wieviele Autounfälle wurden durch das Anlegen eines Sicherheitsgurtes bisher schon verhindert?  Ich vermute keiner einziger. Wovon wir aber mit 100% Sicherheit ausgehen dürfen und was mit zahlreichen Studien belegt ist: ein angelegter Sicherheitsgurt ist im Falle eines Unfalls ein zuverlässiger Schutzengel und hat schon Millionen Leben gerettet.

 

Mache deine Resilienz zu deinem Sicherheitsgurt!

 

In einem Gespräch, in dem uns Tim seine Fragen stellt, werden wir das Geheimnis der Resilienz lüften:

  

Tim: 

Gibt es ein Geheimrezept, mit dem wir auch in schwierigen Zeiten alles im Griff haben und uns keine Sorgen machen müssen? 

  

Thomas: 

Ja und Nein. Also Ja, es gibt dieses Rezept, sogar in Variationen und Nein, es steckt keine Geheim-Wissenschaft dahinter. Das Wissen und die Techniken sind jedem - der sie für sich erwerben will - zugänglich. 

  

Tim: 

Man hört immer wieder von Resilienz, von der Widerstandskraft, ist es das, was uns die Kontrolle über unser Leben verschafft? 

  

Thomas: 

Wenn wir über Resilienz reden, dann reden wir von einer Fähigkeit, die wir trainieren können und nicht von etwas, was angeboren ist. 

Resilienz heisst aber nicht, dass uns nichts mehr betroffen machen kann.
Im Gegenteil, Resilienz fördert sogar unsere Bereitschaft zur Empathie, also die Fähigkeit Gefühle und Gedanken in einer Wertegemeinschaft nachvollziehen zu können.

 

Der Unterschied, den Resilienz ausmacht, ist der von Mitleiden zu Mitgefühl. Beides ist eine menschliche Reaktion, eben mit dem Unterschied, dass der Mitfühlende sich seiner Einflussmöglichkeiten bewusst ist. Resilienz bedeutet wahrnehmen und mitfühlen und trotzdem bei sich bleiben und das ermöglicht uns souveränes, engagiertes und motiviertes Handeln. Gerade dann, wenn wir uns in einer stressigen und emotional sehr aufwühlenden Zeit und Lebensphase befinden. 

  


Stell dir einen Knautscheball vor: Er wird zusammen gedrückt und verformt sich, das entspricht dem ersten wahrnehmen, mitfühlen. Jetzt nimmst du den Druck vom Ball, du bleibst aber bei dir selbst und überlegst, was tu tun kannst, du bleibst bei deinen Einfluss- und Handlungsmöglichkieten. Dadurch minimierst du den Druck auf deinen Knautscheball - er kann wieder in seine Ausgangsform zurück. Das ist vielleicht der grösste Gewinn, den die Teilnehmer aus meinen Seminaren und Trainings mitnehmen können.

Erst dadurch wird es dir möglich sein, im Rahmen deiner selbstbestimmten Möglichkeiten, aktiv zu werden. Man könnte sagen, Resilienz ist die Beule, die sich selbst ausbeult, weil sie es kann. 

    

Tim: 

Hilft mir Resilienz auch dabei Entscheidungen zu treffen, Veränderungen herbeizuführen und neuen Möglichkeiten mein Leben auf die Spur zu bekommen? 

  

Thomas: 

Ja, absolut. Ich sehe Resilienz und resilientes Verhalten sogar als eine Voraussetzung für Neues, für Entwicklung und Veränderung in unserem Leben. Weiterentwicklung, gerade die persönliche, gibt es nur, weil wir mit dem Zustand davor nicht mehr zufrieden sind - ob uns das bewusst ist oder nicht.

Häufig werden wir im Leben auch vor vollendete Tatsachen gestellt.

Es gibt kein Leben ohne Brüche und häufig fühlt es sich zunächst wie auf einer Achterbahn im ersten Wagen an.

 

Wenn wir aber über Resilienz verfügen, können wir uns selbst wieder ausbalancieren. Wir erlauben uns selbst mit Zuversicht neue Lösungs- und Handlungsmöglichkeiten zu schaffen. Und wir erkennen und spüren, wie gut es sich anfühlt, wenn wir wieder selbst hinterm Steuerrad auf unserem Lebensschiff stehen. 

  

Tim: 

Du hast zu Beginn gesagt, dass es sich bei der Resilienz nicht um eine geheime Wissenschaft handelt und dass jeder von uns resilienter, also widerstandsfähiger werden kann. Was muss ich dafür tun, dass ich auch mit den Themen, die in meinem Leben nicht so gut laufen, die mich runterziehen, mich verunsichern, besser umgehen kann und sie dadurch letztlich dann auch in die Hand nehme und verändern kann. Wie werde ich widerstandsfähiger? 

   

Thomas: 

Du hast da was ganz Wichtiges gesagt: In die Hand nehmen und verändern.
Die andere Möglichkeit ist zu erkennen und zu akzeptieren, dass etwas nicht in meiner Hand liegt und ich es daher nicht selbst direkt verändern kann. Natürlich bedeutet das nicht, dass ich durch mein eigenes Verhalten darauf keinen günstigen Einfluss nehmen kann und sollte. 

  

Lass uns mal das Eine vom Anderen unterscheiden: Ein Problem an der Wurzel anzupacken, um es zu verändern, kann ich nur, wenn ich auch der Besitzer des Problems bin und es in meinem eigenen Garten wächst.
Wenn das Thema, das verändert werden soll, in meinem Garten, also in meinem Kontrollbereich wächst, ist der nächste Schritt, dass ich meine Möglichkeiten abwäge, um dann mit der Veränderung zu beginnen. 


 

Lass uns das mal an einem Beispiel verdeutlichen: Du bist der Liebe wegen ins Ausland gezogen. Da du die Sprache aber nicht beherrscht, findest du keinen Anschluss und fühlst dich auf Dauer als Anhängsel deines Partners. Ohne Frage wird dich das in vielerlei Hinsicht schwächen und natürlich auch deine Widerstandsfähigkeit. Du wirst empfindlich, unsicher, verlierst dein Selbstvertrauen, deine Souveränität und so weiter.
Und dennoch hast du in diesem Fall grosses Glück. Es liegt nämlich ausschliesslich in deiner Hand die Situation zu deinen Gunsten zu verändern. Du kannst einen Sprachkurs machen und kommst so langsam aber stetig aus der Ecke, in die du dich durch deine Sprachlosigkeit selbst manövriert hast. Der Ball liegt in deiner Spielhälfte, direkt vor deinen Füssen. Du bist der Problembesitzer und mur du kannst es ändern! 

  

Auch im anderen Fall, wenn das Thema, das wir verändern wollen, ausserhalb des eigenen Kontrollbereichs liegt, brauchen wir nicht passiv ausharren und alles über uns ergehen lassen. Wir haben die Möglichkeit uns davon zu lösen, es loszulassen. Im Verzicht liegt häufig ein unschätzbarer Gewinn. Wenn das nicht geht, oder wenn es uns zu wichtig ist, können wir uns überlegen, wie wir uns konstruktiv einbringen können.

 

Beispiel: Ich kann Armut oder Krieg nicht abstellen, das liegt ausserhalb meiner Macht und Kontrolle. Aber ich kann meinen Beitrag leisten, es zu lindern - im meinem Umfeld und im Rahmen meiner Möglichkeiten. Wieder etwas in Ordnung bringen, egal wie gross oder klein mein Beitrag ist, zeigt uns, dass wir etwas bewirken können, es gibt uns Sinnhaftigkeit im Leben - das macht uns stark und auch Widerstandsfähiger für Zukünftiges.  

Zu erkennen, dass ich durch mein Handeln wirksam bin, ist ein guter Anfang für mehr Resilienz im Leben.